Das Projektvermittler-Elend

Wenn man im IT-Umfeld als Freiberufler oder kleine Firma unterwegs ist, dann stellt man schnell fest, dass viele größere potentielle Kunden nur noch mit Projektvermittlungsfirmen arbeiten. Deren Aufgabe besteht darin, dem Kunden die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für ein Projekt abzunehmen und ihm letztlich eine handverlesene Kandidatenliste vorzulegen, bei denen sicher ist, dass sie verfügbar sind und dass sie über die geeigneten Qualifikationen verfügen. Der letztlich ausgewählte Kandidat erhält einen (je nach Projekt) geringfügig bis deutlich geringeren Stundensatz, dafür aber die Gewähr, dass Stunden und Zahlungen korrekt und zeitnah abgewickelt werden, denn sein Vertragspartner ist die Projektvermittlung. Die Projektvermittlungsfirma lebt von der Differenz beim Stundensatz gegenüber Auftraggeber und Auftragnehmer. Eine durchaus komfortable Situation für alle Seiten also.

Die Probleme treten im Vorfeld vor dem Vertragsabschluss auf: Kunden beauftragen häufig mehr als eine Projektvermittlungsfirma, nach dem geeigneten Kandidaten zu suchen und die Projektvermittlungsfirmen erwarten vom potentiellen Auftragnehmer, dass der sich erstens exklusiv über die jeweilige Firma vermitteln lässt und zweitens während des Vermittlungsprozesses keine anderen Projektvermittlungen für sonstige Projekte wahr nimmt. Problematisch sind beide Dinge, da manche Kunden eine Entscheidung für oder wider einen Kandidaten vom Stundensatz abhängig machen, den die Projektvermittlung ihm gegenüber aufruft, was aber für den Kandidaten absolut intransparent ist und sich Kunden manchmal auch fünf, sechs Wochen Zeit für eine Entscheidungsfindung lassen und man – zumindest in Bezug auf Projektvermittlungen – in der Zeit letztlich unbezahlt herumsitzt und wartet, wenn man die geforderte Exklusivitätserklärung unterschrieben hat. Deshalb machen wir letzteres nicht mehr.

Das alles vorausgeschickt und erklärt, gab es gestern folgendes Szenario zu bestaunen:
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Das BILD-Problem

Als BILD-Redakteur hat man es nicht leicht, denn man muss darüber berichten, wie verdiente Fußballer des Volkes Fußballprofis von Fans angegangen werden. So wie letztes Wochenende im Fall von Timo Hildebrand, Torwart des FC Schalke 04:

Die Fan-Wut eskaliert. Im Visier immer häufiger die Spieler der eigenen Vereine. Timo Hildebrand ist nicht der erste Profi, der bei facebook attackiert wurde. (…)

Woher kommt der Hass gegen eigene Spieler?

Nun, das BILDblog hilft der BILD-Zeitung da gerne auf die Sprünge: http://www.bildblog.de/47401/woher-kommt-der-hass/.

Die Samsung-Aussage

Liebe werbetreibende Industrie:

ICH WILL KEIN SAMSUNG GERÄT HABEN!

Mich interessiert diese Marke nicht, ich finde sie zweitklassig, ich mag das Design und die Features nicht, ich stehe nicht auf Billigplastik. Ich will kein Galaxy Note, ich will kein Galaxy S4, ich will keinen Samsung-Fernseher, ich will kein Samsung Notebook, kein Samsung Tablet und keinen Samsung Staublappen.

Ich mag Firmen nicht, die Features und Designs abkupfern, statt kreativ zu sein. Ich mag Firmen nicht, die Achtkern-Prozessoren anbieten müssen, weil ihre ach so modernen Betriebssysteme sonst nicht laufen würden. Ich mag Firmen nicht, die hemmungslos zweitklassig sind und das als Erstklassigkeit verkaufen.

Ich mag Samsung einfach nicht. Also bitte, lasst mich damit in Ruhe.

Das Zypern-Exempel

Zypern ist ein Land, in dem russische Oligarchen ihre Milliarden anlegen, eine Steueroase und der Hort der Undankbarkeit in Bezug auf das ESM-Hilfsangebot. Eindeutig und klar.

Jetzt echt? Ist das so eindeutig und klar?

Ja, in Zypern legen auch (nicht nur) russische Investoren (die NachDenkSeiten analysieren einmal den Unterschied zwischen Investoren und Oligarchen) ihr Geld an. Ja, Zypern hat vulgär niedrige Firmensteuersätze (10% statt 12,5% in Irland, letzteres gilt nicht als Steueroase, jedenfalls nicht in den Medien). Ja, Zypern hat ein (gewaltiges) Liquiditätsproblem. Ja, Zypern hat einen gewaltigen Bankensektor.

Das größere Problem aber ist das ESM-Hilfsangebot.

Inhaltlich geht es darum, dass Zypern mehr als 16 Mrd. EUR benötigt, um seine Liquidität und die Liquidität seiner Banken sicher zu stellen. Die europäischen Finanzminister bieten 10 Mrd. EUR als Hilfe an, die restlichen 6 Mrd. EUR muss Zypern selbst aufbringen. Dabei ist Zypern n i c h t freigestellt, wie es das macht, sondern es muss die Kunden der Banken daran beteiligen (bis 100.000 EUR Guthaben müssen 6,75% abgeführt werden, darüber hinaus 9,9%). Das gilt für alle Kunden, so ist es jedenfalls ursprünglich gefordert worden (siehe bei der Tagesschau). Darüber hinaus muss Zypern seine Firmensteuersätze auf 12,5% erhöhen und die Leistung des Bankensektors muss auf das 3,5fache der Wirtschaftsleistung begrenzt werden (aktuell ist es das 8fache).

Das ist in der Form kein Hilfsangebot, das ist ein Exempel. Dadurch würde der Bankenplatz Zypern in die Steinzeit zurückgebombt. Aber das ist eigentlich nebensächlich, denn es geht weniger um die Größe des Bankensektors, als um eine klare Ansage. Und um die Frage, wer davon profitiert.

Die Finanzminister der Euro-Zone haben bewusst ein Exempel statuiert, bei dem der Euro-Raum (ohne Zypern) in jedem Fall der Gewinner ist. Es ist offensichtlich, dass Otto Normalsparer in Zypern einen durchaus spürbaren Teil seiner – bestenfalls – Ersparnisse abgeben soll. Was wäre denn die Reaktion der Betroffenen, wenn das so umgesetzt werden würde? Proteste? Bürgerkrieg? Irgendwas dazwischen? In jedem Fall hätte es heftigste Unruhen gegeben, denn 6,75% eines kleinen Guthabens bemerkt der Betroffene viel unmittelbarer, als 9,9% von hunderten Millionen EUR. Effektiv hätte also der Durchschnittsbürger die Zeche zu bezahlen gehabt, Großanleger hätten sich zwar geärgert, aber bis auf eine recht kurzfristige Zins-Gewinndelle eher nichts gemerkt. Das kann Politik nicht mehr vermitteln, das ist bestenfalls politischer Selbstmord.

Der Gedanke hinter den genannten Konditionen war deshalb auch nicht, ein ernstgemeintes und annehmbares Hilfsangebot zu unterbreiten (was die Reaktionen der zypriotischen Bevölkerung auch deutlich gezeigt haben), sondern es ging um ein Exempel. Zypern dient hier nur als Beispiel. Man versetze sich einmal in die Rolle eines italienischen, griechischen, spanischen oder portugiesischen Regierungschefs, der ggf. auch (oder wieder) die Hilfe des ESM in Anspruch nehmen muss – welche Optionen hat der denn zukünftig (denn wer glaubt daran, dass bei den nächsten Angeboten grundsätzlich hinter eine derart gezogene Linie zurückgegangen wird)?

Entweder er verklickert seiner Bevölkerung, dass sie um mindestens 6-10% ihres Guthabens erleichtert wird (bzw. analoge Regelungen ertragen darf), oder … er tritt freiwillig aus dem Euro-Raum aus. Denn genau das ist die Message des Hilfsangebots – enteigne Deine Bevölkerung oder tritt aus. Regierungschefs, vor so eine Wahl gestellt, würden sich wahrscheinlich für die Alternative des Austritts entscheiden, denn dann besteht wenigstens die vage Möglichkeit, irgendwie durch- und nach einiger Zeit wieder auf die Beine zu kommen.

Das ist dann letztlich eine Win-Win-Win-Situation für alle Anderen:

  • Entweder die Bedingungen des Hilfsangebots werden angenommen (Win)
  • Oder das Land tritt aus dem Euro-Raum aus, führt eine eigene Währung ein und sieht, wie es zurecht kommt (Win, denn das Problem ist kein eigenes Problem mehr, der EUR wird gestärkt)
  • In jedem Fall muss das Land hinterher wirtschaftlich wieder aufgebaut werden – dank der eigenen stärkeren Wirtschaft kann man daran partizipieren (Win)

Bevorzugt wird – das hat man ESM-Angebot an Zypern gesehen – der Austritt, denn der kommt kurzfristig billiger, beruhigt die Börsen (ja, das ist auch ein Bonbon für die Finanzindustrie) und sorgt dafür, dass die eigene Kreditwürdigkeit keinesfalls ruiniert wird. Eine Sorge weniger also. Und genau das war die Intention des ESM-Angebots.

Dazu kommt, dass man das beispielsweise in einem deutschen Wahlkampf wunderbar verwenden kann (passt aber auch auf andere europäische Länder):

  • Man hat Härte gegenüber den “Sündern” gezeigt
  • Man hat kein gutes deutsches Geld den nichtsnutzigen Südländern hinterher geworfen
  • Die Sozis müssen entweder unsoziale Bedingungen tragen oder können als verantwortungslose Rettungsverhinderer hingestellt werden
  • Die aufkommende rechte bürgerliche und euroskeptische Konkurrenz (AfD) kann klein gehalten werden, schließlich sorgt man für Recht und Ordnung

Die anderen europäischen Länder ziehen mit, denn sie wissen, dass erstens ihre Bevölkerung kaum mehr Verständnis für einen weiteren Geldfluss gen Süden hätte und zweitens gegen Deutschland eh kaum mehr etwas läuft. Zudem ist es viel einfacher, mit dem Finger auf Deutschland zu zeigen – und unser GröFAZ (Größter Finanzminister aller Zeiten) nimmt die Rolle des harten Burschen gerne an.

Letztlich ist das dann deutscher Wahlkampf, ausgefochten auf dem Rücken der Zyprioten und mit der klaren Ansage gegenüber den anderen problembehafteten europäischen Staaten, dass sie entweder härteste Bedingungen zu ertragen hätten oder den Euro-Raum verlassen müssten.

Epic Win.

Das HTC-Dilemma

HTC LogoIch mag HTC. Irgendwie scheine ich damit aber langsam ein belächelter Exot zu werden, denn die Marktanteile von HTC befinden sich seit geraumer Zeit im Sinkflug.

Als ich mir gestern das HTC 8S Windows Phone im Saturn für sehr günstige 249,– EUR ohne Vertrag gekauft habe, wurde mir mal wieder klar, warum das so ist:

HTC versagt beim Marketing.

Sorry, aber so muss man das wohl sagen, denn wie anders lässt sich erklären, dass die wirklich guten und schicken HTC-Smartphones im Moment weder angesagt noch irgendwie in den Medien wahrnehmbar sind?

HTC 8S

Nehmen wir besagtes HTC 8S, das hat ein paar wirklich coole Eigenschaften für ein nur 249,– EUR teures Gerät:

  • Es sieht wirklich schick aus
  • Das Design hebt sich von der Masse der Geräte ab
  • Die verwendeten Materialien sind ziemlich hochwertig
  • Das Display ist definitiv hochwertiger, als man für das Geld erwarten kann
  • Die Kamera ist absolut brauchbar

Alles gute Gründe, sich das Telefon zuzulegen, wenn man es denn wüsste, dass es das Telefon überhaupt gibt – und genau dort scheitert HTC.

Ich habe es mir gestern bewusst gekauft, aber andere potentielle Windows Phone-Käufer wissen schlicht nix davon und verlangen beispielsweise ein Lumia 620 von Nokia – auch ein gutes Telefon für den gleichen Preis, aber eben mit nicht so schickem Gehäuse, nicht so guter Kamera, preiswerteren Materialien und einfacherem Display (dafür aber mit mehr internem Speicher und mehr Software-Goodies – irgendwas ist ja immer… :-) ).

Das muss am Marketing liegen, und wenn ich mir das mal anschaue, dann sehe ich zwar überall Nokia-Werbung, aber eben nix von und für HTCs Windows Phones. Read more »

Schreibt mir lieber eine Mail!

Ich habe heute früh bei Twitter und bei Facebook folgendes Posting abgesetzt:

Telefonate, Chats und Skype nur dann, wenn ich will. Schreibt mir lieber eine Mail.

Das mag für den einen oder anderen Zeitgenossen etwas harsch klingen, aber ich will es kurz erklären:

  1. Telefonate: Ich habe ein Mobiltelefon. Das hat einen Anrufbeantworter. Da kann man drauf sprechen. Das Telefon selbst ist meist lautlos gestellt, weil es ungemein nervt, wenn Projektvermittler, Telefonaquisitöre oder Kundenbetreuer anrufen. Sie zwingen mir eine Kommunikation auf und reißen mich aus meiner Arbeit. Dafür haben wir einen Kollegen, der solche Telefonate gerne entgegen nimmt – und wenn es Leute aus meinem Adressbuch oder Kunden sind (und ich es sehe), dann gehe ich da auch ans Telefon bzw. rufe zurück, wenn es passt. Letztlich will ich aber meine Arbeit machen können, das hat Vorrang. Außerdem sind Absprachen, die am Telefon getroffen worden sind, im Zweifelsfall auf irgendeiner Seite nie verbindlich, weil es die andere Seite nicht belegen kann.
  2. Chats: Ich chatte, wenn ich Zeit habe oder es ins Leben passt – aber bei der Arbeit möchte ich arbeiten. Eine kurze Anfrage im Sinne von “Hey, bist Du da” ist ok, aber die wird ignoriert, wenn ich zu tun habe. Ich sehe nicht ein, mir von anderen Menschen diktieren zu lassen, wann ich für ihre Chats verfügbar bin. Für Skype-Telefonate gilt das Gleiche, wir für normale Telefonate: Es reißt einfach unheimlich raus. Ich möchte lieber meine Arbeit erledigt bekommen, deshalb findet sowas für mich nur nach Absprache statt.
  3. Mails: Ja, Mails sind sooooooo unzeitgemäß. Weil: Ich kann darauf asynchron antworten. Wenn es mir passt. Niemand kann mir eine Kommunikation aufzwingen, weil es ihm passt. Das ist natürlich uncool. Aber für mich die einzige Art, wie ich meine Arbeit erledigt bekomme – bei mir gibt es keine Mailbenachrichtigungen mehr, keine akustischen Signale, keine Desktop-Anzeige, nix auf dem Lockscreen meiner Smartphones. Ich checke meine Mails, wenn es mir passt und ich mich damit auseinander setzen kann. Dann gibt es auch eine Antwort. Das ist für mich ideal – und ich bin auch gerne bereit, dies meinem Kommunikationspartner zuzugestehen. Dazu kommt, dass ich bei Mails viel leichter Absprachen belegen kann. Nein, für mich führt absolut kein Weg an Mails vorbei.

Also, der Hintergrund ist, dass ich meine Arbeit geschafft bekommen möchte. Und es partout nicht mehr einsehe, 24/7 für Projekte und Kunden erreichbar zu sein – letztere haben ihre Bürozeiten und wollen am Wochenende ihre Ruhe haben, das gleiche Recht nehme ich für mich in Anspruch.

Deshalb: Schreibt mir lieber eine Mail.

Dafür haben Sie sicher Verständnis…

Manchmal könnte man nur noch wild um sich schlagen…

Die Vorgeschichte: Ich bin Kunde bei der Berliner Sparkasse, Geschäftskunde. Als solcher habe ich nicht mit der normalen Kundenbetreuung zu tun, sondern mit der Business Line, einer Hotline und Kundenbetreuern, die sich eben ausschließlich um Geschäftskunden und deren Konten (auch privaten Konten) kümmern. Dafür bezahle ich ein paar EUR mehr im Monat, habe aber deutlich besseren Service und Support. Letzte Woche habe ich mir über eben diese Business Line eine alte Prepaid-Kreditkarte durch eine neue Karte ersetzen lassen – gleiche Kartennummer, gleiche PIN, eben einfach nur das Ersetzen der alten Karte.

Gestern bekam ich dann um 9.01 Uhr folgende SMS:

“Ein auffälliger Umsatz Ihrer Kreditkarte hat zur vorsorglichen Kartensperre geführt. Bitte rufen Sie uns an: (030) 2355 6130. Berliner Sparkasse”

Also rief ich dort an, und nach ein paar Sekunden Wartezeit landete ich bei einer Sachbearbeiterin, die sich mir leider nicht mit Namen vorstellte. Es wurde dann anhand meiner Daten die korrekte Kreditkarte ermittelt und folgender Dialog entspann sich (aus dem Gedächtnis):

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Frau Schavan und die Opferrolle

So, Frau Prof. Dr. Annette Schavan ist also (vorläufig) nicht mehr Dr., der Artikel wurde ihr von der Uni Düsseldorf aberkannt, da sie – laut Aussage der universitären Prüfungskommission – in ihrer Arbeit (verharmlosend ausgedrückt) abgeschrieben und die Quellen nicht genannt habe. Am gestrigen Samstag trat sie daraufhin von ihrem Posten als Bildungsministerin im Kabinett Merkel zurück.

Soweit die Tatsachen.

Aktuell wird an verschiedenen (nicht nur politischen Fronten) erbittert gekämpft, ob der Umgang mit Frau Schavan korrekt gewesen sei, oder nicht. Die Diskussion dreht sich um verschiedene Aspekte:

  • Ist die Universität korrekt vorgegangen, war die Arbeit des universitären Gremiums korrekt?
  • Darf man das überhaupt nach so länger Zeit noch machen? Und WER darf sowas überhaupt?
  • Ist es überhaupt Betrug, wenn man vergisst, Zitate als solches zu kennzeichnen und die Quellen anzugeben?
  • Musste die Ministerin denn unbedingt zurücktreten?
  • Zur Frage, ob der universitäre Untersuchungsausschuss korrekt gehandelt habe, als er Frau Schavan den Doktortitel aberkannt hat, kann man streiten. Hier sind im Moment Widerspruchsverfahren anhängig, das wird letztlich der Gesetzgeber zu entscheiden haben.

    Interessanter sind die folgenden Fragen. Widmen wir uns zunächst der Frage, ob man das (also die Analyse einer Doktorarbeit nicht in Bezug auf inhaltliche Qualität, sondern in Bezug auf das Einhalten wissenschaftlicher – und wohl auch moralischer – Standards zu untersuchen) nach dreißig Jahren überhaupt noch machen darf. Ganz klare Antwort: Ja, natürlich! Was hebt denn die Arbeit der Bildungsministerin über die Arbeiten anderer Doktoranden hinaus? Selbstverständlich darf man die Arbeit auch nach dreißig Jahren noch analysieren.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang ein häufiger vorgebrachtes Argument: Ja, man dürfe die Arbeit analysieren, aber man solle doch bitte nicht heutige Standards in Bezug auf die Qualität der Arbeit anlegen. Das sei schließlich ungerecht, damals habe es noch kein Internet gegeben und es sei schließlich nicht so einfach gewesen, an Literatur zu kommen (Fernausleihe, etc.). Dazu fällt mir eigentlich nur folgendes ein:

    Erstens ist es albern, zu fordern, die Arbeit müsse nicht heutigen Standards bezüglich des Zitierens genügen – auch vor dreißig Jahren galt, dass ein Zitat als solches zu kennzeichnen sei und das die Quelle anzugeben sei. Das ist ein Grundsatz wissenschaftlicher Arbeit, der auch durch andere Mediennutzungsmöglichkeiten nicht entkräftet wird – zitiere ich was, muss ich das kenntlich machen und die Quelle angeben. Punkt.

    Zweitens: Wenn ich irgendwo abschreibe und das nicht kenntlich mache, dann betrüge ich. Punkt. Das geht mir mit meinen Fachbüchern nicht anders, als Frau Schavan mit ihrer Doktorarbeit. Werde ich erwischt, kann ich dafür verurteilt werden – das ist mir ebenso bewusst, wie Frau Schavan. Und ein “versehentliches Zitieren” kann es nicht geben: Schreibe ich ab (und formuliere das vielleicht sogar bewusst um, um es zu verschleiern), mache ich das nicht versehentlich, sondern bewusst.

    Drittens: Frau Schavan und die falsch gekennzeichneten Zitate in ihre Doktorarbeit sind deshalb angreifbar, weil es keine Einzelfälle (also nur ein paar wenige Stellen in dieser Arbeit) waren. Niemand hätte ihr ans Bein pinkeln können, wenn es nur ein paar wenige Stellen gewesen waren. Dem war aber nicht so, die Arbeit hat – laut Aussage der Gutachter – eben wissenschaftlichen Kriterien nicht mehr entsprochen.

    Viertens: Es ist absolut keine Entschuldigung, dass es erst im Zuge der Zu-Guttenberg-Affäre aufgefallen ist und nicht schon dreißig Jahre vorher. Nur, weil es heute leichter ist, so etwas nachzuweisen, entschuldigt das doch nicht das (bewusste) Fehlverhalten damals.

    Fünftens: Es stimmt, dass bei anderen Doktorarbeiten nicht die gleichen Maßstäbe angelegt worden sind bzw. angelegt werden – der Großteil der Arbeiten wird nicht durchs VroniPlag gejagt und von Dutzenden oder Hunderten Freiwilligen analysiert. So what? Das ändert dennoch nix an den Mängeln – und vor allem an Frau Schavans Angreifbarkeit, in die sie sich selbst manövriert hat: Als in der Öffentlichkeit stehende Politikerin (meines Wissens nach ist sie dazu nicht gezwungen worden), als Bildungsministerin (sic!) und als die Person, die zu Zeiten der guttenbergschen Plagiatsaffäre (der unbenommerweise ein anderer Hintergrund und eine andere Motivation zugrunde lagen) mit der Aussage, dass sie sich zu fremdschämen würde, wenn sie plagiiert hätte, profilierte. Wer in die Küche geht, muss halt damit rechnen, dass es heiß wird – auch und gerade als Bildungsministerin. Das sie das nicht tat, lässt nur zwei Schlüsse zu: Das Gefühl der Ungreifbarkeit (gerade auch unter dem Schutz der Kanzlerin) und das Verdrängen der eigenen Verfehlung. Auch das sind keine Entschuldigungen oder Abschwächungen, und erst recht keine Gründe, die Doktorarbeit der Annette Schavan nicht unter die Lupe zu nehmen.

    Ganz spannend in diesem Zusammenhang ist noch die Frage, wer überhaupt das Recht habe, Doktorarbeiten zu untersuchen. Teile der Presse, vorzugsweise aus dem konservativen Lager, tendieren dazu, die Leute, die die Doktorarbeiten untersuchen, als “Wutbürger” abzuqualifizieren oder ihnen eine tiefe Verortung im jeweils anderen Lager anzudichten. Damit wären sie wohl nicht dazu qualifiziert, entnimmt man diesen Aussagen. Kurz gesagt: Das ist natürlich der komplette Oberschwachsinn – die Arbeiten sind öffentlich zugänglich, JEDER darf sich damit auseinander setzen. Und JEDER darf darin nach Plagiaten, nach nicht kenntlich gemachten Zitaten, nach handwerklichen Fehlern suchen. Dafür benötigt man keine Qualifikation – um daraus dann Konsequenzen zu ziehen, aber schon. Denn was geschieht denn, wenn der gemeine Wutbürger etwas gefunden zu haben glaubt: Er übergibt es – gerne auch in gesammelter Form – an die Universitäten und die Öffentlichkeit. Ab diesem Moment bewerten Fachleute das Material, ab diesem Moment sind es universitäre Gremien, die sich damit auseinander setzen und ggf. Untersuchungen anstellen oder Entscheidungen treffen. Die Diskussion bzw. die Richtung der Diskussion dient also nur dazu, die Plagiatsjäger zu diskreditieren und damit den gesamten Vorgang zu behindern und bestenfalls abzuwürgen. Und das ist aus meiner Sicht noch die angenehmere Deutung – unangenehmer wäre mir, wenn dahinter keine konkrete Absicht, sondern ein allgemeines und sehr elitenzentriertes Weltbild stecken würde…

    Die Frage, ob es tatsächlich Betrug im akademischen oder justiziablen Sinne sei, wenn jemand nicht korrekt zitiert, möchte ich nicht weiter vertiefen – meine Ansicht habe ich weiter oben dargestellt. Vielmehr interessiert mich am Ende noch der Aspekt, ob die Ministerin ihr Amt tatsächlich aufgeben musste – schließlich ist das Urteil doch nicht rechtskräftig, jedenfalls bisher nicht. Hier muss man nochmal betonen, dass Frau Schavan möglicherweise eine von Menschen als positiv wahrgenommene Politik machte – dies aber letztlich nicht der Gradmesser ist. Die Öffentlichkeit erwartet, dass sie die Konsequenzen zieht, sie ist letztlich auch zu einer Belastung für das Kabinett Merkel geworden und kann auch den Posten einer Bildungsministerin nicht mehr ausfüllen, da sie Entscheidungen nicht mehr mit der nötigen Durchsetzungskraft treffen kann, zu angegriffen ist sie im politischen Sinne derzeit. Deshalb ein klares Ja: Ja, sie musste zurücktreten, speziell auch nach ihren Aussagen in der Causa zu Guttenberg. Sie hat sich weit hervorgewagt – zu weit letztlich, mir fällt da immer das Sprichwort vom Glashaus und den Steinen ein.

    Zusammengefasst: Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund, warum man Frau Schavan schonen sollte – Wenn sie umfassend abgeschrieben hat, hat sie gegen die Normen verstoßen und betrogen. Wenn sie betrogen hat, gehört ihr der Doktortitel aberkannt. Wenn ihr der Doktortitel aufgrund des Betrugs aberkannt worden ist, ist sie als Bildungsministerin nicht mehr zu halten.

    So einfach ist das manchmal.

    Sexismus-Debatte

    Liebe Kerle (und auch manche Frauen),

    Ich bin selber ein Kerl, aber wenn ich verfolge, wie ihr euch in dieser Debatte aufführt und was ihr für hanebüchene Begründungen (enger Pullover, aufreizendes Verhalten, …) dafür anführt, dass Frauen ja angeblich selbst daran schuld seien, wenn sie angemacht oder betatscht oder diffamiert oder sonstwie einfach schlecht von euch behandelt werden, dann könnte ich – gelinde ausgedrückt – einfach kotzen!

    Ganz deutlich:

    • Frauen sind kein Freiwild
    • Egal, was eine Frau anzieht: Es gibt euch KEIN Recht, euch sexistisch aufzuführen!
    • Egal, was eine Frau für körperliche Attribute hat: Es gibt euch KEIN Recht, euch sexistisch aufzuführen!
    • Egal, wieviel eine Frau mit euch flirtet: Es gibt euch KEIN Recht, euch sexistisch aufzuführen!
    • Egal, was ihr für ein Weltbild gegenüber Frauen habt: Es gibt euch KEIN Recht, euch sexistisch aufzuführen!
    • Egal, was irgendwelche Kerle über eine Frau erzählen: Es gibt euch KEIN Recht, euch sexistisch aufzuführen!
    • Egal, wie überlegen ihr euch fühlt: Es gibt euch KEIN Recht, euch sexistisch aufzuführen!

    Egal was: Ihr habt einfach KEIN Recht, euch sexistisch aufzuführen! Frauen sind keine Sexobjekte, Frauen sind nicht minderwertig, Frauen sind euch nicht unterlegen, Frauen sind kein Freiwild für euch, Frauen sind nicht dümmer als ihr!

    Und ja: Letztlich entscheidet die Frau, was sexistisches Verhalten ist. Genau so, wie ihr andersrum genau das gleiche Recht habt, wenn es euch JEMALS geschehen sollte, dass eine Frau sich euch gegenüber so aufführt, wie ihr das ihnen gegenüber täglich tut. Das ist GANZ einfach.

    Meine Güte, ist das so schwer zu verstehen?

    Mein Arbeitsplatz ist mein Kampfplatz für den Frieden

    Ja, bei einem derart ausgestatteten Arbeitsplatz bleibt auch noch Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. :-)

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    Tipp: iPhone 5 und o2 – Visual VoiceMail aktivieren

    Wer ein iPhone 5 bei o2 nutzen möchte, wird unter Umständen feststellen müssen, dass die Visual VoiceMail nicht aktiviert ist (und dies auch nicht automatisch geschieht). Meist ist die Ursache dafür einfach die, dass Visual VoiceMail in der MailBox von o2 nicht aktiviert ist. Dem kann aber sehr einfach und schnell abgeholfen werden:

    • Anrufbeantworter per 331 anrufen
    • Mit “9″ in die Einstellungen wechseln
    • Mit “8″ in die Einstellungen der Visual VoiceMail wechseln
    • Mit “2″ die Visual VoiceMail aktivieren

    Bei mir reichte das schon komplett aus, die o2-Hotline empfiehlt einen Neustart des Telefons. Sollte es danach nicht funktionieren, empfiehlt sich ein Anruf bei der Kundenhotline unter 55222.

    Gern geschehen.

    Rassistische Sprache in Kinderbüchern – aus Kindersicht

    Ok, ich gebe zu, so habe ich es bisher nicht gesehen – aber es ist schon hilfreich, einmal die Debatte um bestimmte Begriffe in Kinderbüchern aus Sicht von betroffenen Kindern zu betrachten:

    http://www.publikative.org/2013/01/23/neunjahrige-schreibt-brief-an-zeit/

    Ich stand da argumentativ bisher eher auf der anderen Seite – ich sah es nicht ein, teilweise Jahrzehnte alte Kinderbücher aus Gründen der Political Correctness umzuschreiben. Und ich finde es nach wie vor schwierig, wenn Literatur nur umgeschrieben wird, um sie dem Zeitgeist anzupassen. Einerseits.

    Andererseits, wenn ich mir die Argumente der kleinen Ishema anschaue, dann muss ich leider sagen, dass sie wohl die stärkeren Argumente auf ihrer Seite hat. Und “Pipi Langstrumpf” schadet es nix, wenn sie statt eines “Negerkönigs” einen “Südseekönig” kennen lernt, was eh treffender ist.

    Die Liebesgeschichte des Jahres!

    Die spannende Liebesgeschichte zwischen einem Schwaben und einer Berlinerin allen Widerständen zum Trotz wird beim Koyote-Magazin thematisiert:

    http://www.kojote-magazin.de/2013/hollywood-verfilmt-bewegende-liebesgeschichte-zwischen-berlinerin-und-schwaben-in-prenzlauer-berg/7506/

    Lesenswert und herzerweichend.

    Google vs. Verlage – Zensur oder nicht?

    Das aufgefahrene Geschützt wird immer größer, die Hitzigkeit der Diskussion nimmt zu und damit auch der Abstand der Schläge zur Gürtellinie. Stefan Niggemeier hat sich des Vorgehens der Mafia Medienhäuser angenommen:

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dann-reden-wir-mal-ueber-zensur

    Mal durchlesen. Lohnt sich.

    Matthew Perry macht es wie Angus T. Jones

    Ja, da scheint der gute Angus T. Jones eine ganze Welle losgetreten zu haben – auch Matthew Perry bittet die Zuschauer, seine neue Serie “Go on” nicht zu schauen:

    Matthew Perry’s Testimony (Pt.2) from Matthew Perry

    Köstlich.

    Stilleben mit Telefon

    Moderne Zeiten, moderne Motive. ;-)

    Fremdgehen!

    Echt, da geht man gemütlich kurz ins Shoppingcenter, und dann das: Glatte und unmissverständliche Aufforderung zum Fremdgehen.

    Tja. Und was soll ich sagen? Es macht Spaß. :-)

    Bilderrätsel

    Hmm, wer findet die Unterschiede zwischen rechts und links? ;-)

     

    Tipp: Parallels Desktop 8 und Windows 8 bei kleiner Auflösung

    Auf dem Mac gibt es neben dem bekannten VMware Fusion auch Parallels als sehr häufig genutzte Virtualisierungssoftware. Dabei kann es im Zusammenspiel mit Windows 8 – gerade auf den 13 Zoll MacBook Pro – vorkommen, dass die Auflösung der virtuellen Maschine zu niedrig für alle Features von Windows 8 Metro Windows Store-Apps wird.

    Sollte dem so sein, schlägt dann ein Feature von Parallels 8 in Zusammenspiel mit Windows 8 VMs zu: Parallels passt die Auflösung nicht mehr an die Größe des VM-Fensters an, sondern skaliert die Darstellung – die VM arbeitet also auf einer 1.366er Auflösung, angezeigt wird es aber auf der tatsächlich kleineren physischen Auflösung, was einerseits zu verwaschenen Schriften und einer unsaubereren Darstellung führt, andererseits aber eben erlaubt, dass die VM auch alle Windows Store Apps ausführen kann.

    Wer dieses Verhalten nicht wünscht, kann es sehr einfach ändern: Die VM herunterfahren und in den Einstellungen dann als Typ nicht “automatisch” oder “Windows 8″, sondern “Windows 7″ festlegen.

    Nach dem Neustart der VM wird nun nicht mehr skaliert.

    Problem gelöst.

    So lassen sich Radarfallen überlisten!

    Jetzt ist es raus, es gibt nämlich einen geheimen Trick, wie man JEDE Radarfalle überlisten kann:

    http://bit.ly/R9pPHs

    Krasse Sache!

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